Gelebte Traditionen und Immaterielles Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern ist reich an lebendigen Traditionen und kulturellen Ausdrucksformen. Seit Generationen werden hier Bräuche, Wissen und Können weitergegeben, gepflegt und immer wieder neu interpretiert.

Ob Volksfeste und Bräuche, Musik, Theater und Tanz, traditionelles Handwerk oder überliefertes Wissen im Umgang mit Natur und Umwelt – Immaterielles Kulturerbe lebt von den Menschen, die es praktizieren und weitergeben.

Was ist Immaterielles Kulturerbe?

„Wissen. Können. Weitergeben.“ – so lässt sich der Kern des Immateriellen Kulturerbes zusammenfassen.

Zum Immateriellen Kulturerbe gehören kulturelle Ausdrucksformen, die von menschlichem Wissen und Können getragen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dazu zählen insbesondere:

  • mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen
  • darstellende Künste wie Musik, Theater und Tanz
  • gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste
  • Wissen und Bräuche im Umgang mit der Natur und dem Universum
  • traditionelle Handwerkstechniken

Immaterielles Kulturerbe ist lebendig, dynamisch und zukunftsgerichtet. Es geht nicht darum, eine Tradition unverändert zu bewahren. Entscheidend ist vielmehr, dass Menschen ihr Wissen und Können weitergeben, gemeinsam praktizieren und an neue Bedingungen anpassen.

Damit sind nicht in erster Linie die entstandenen Produkte oder Objekte von Bedeutung, sondern die Fähigkeiten, das Wissen, die Gemeinschaft und die Weitergabe.

Mehr über das Immaterielle Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission

Ein Informationfilm der Deutschen UNESCO-Kommission gibt weitere Auskunft:

Das UNESCO-Übereinkommen

Die UNESCO verabschiedete 2003 das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes. Deutschland ist dem Übereinkommen 2013 beigetreten.

Auf dieser Grundlage entstand in Deutschland das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Trägergemeinschaften können sich regelmäßig über die Kulturministerien der Länder um die Aufnahme einer kulturellen Ausdrucksform bewerben.

Das Verfahren wird von der Deutschen UNESCO-Kommission begleitet. Über die Aufnahme entscheidet die Kulturministerkonferenz im Einvernehmen mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Immaterielles Kulturerbe aus Mecklenburg-Vorpommern

Auch Mecklenburg-Vorpommern ist mit zahlreichen lebendigen Traditionen im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes vertreten.

Aufnahmen aus Mecklenburg-Vorpommern

2014

  • Malchower Volksfest
  • Handwerk der Reetdachdeckerei
  • Niederdeutsches Theater
  • Köhlerhandwerk und Teerschwelerei

2016

  • Barther Kinderfest
  • Tonnenabschlagen auf Fischland und Darß

2018

  • Traditionelle kunsthandwerkliche Herstellung der Darßer Türen
  • Bewahren und Segeln der Zeesboote in der Vorpommerschen Boddenlandschaft

2020

  • Brauch des Martensmanns
  • Spiel auf der diatonischen Handharmonika

2021

  • Vielfalt des Sagenerzählens

2023

  • Gestaltung und handwerkliche Fertigung der Vorpommerschen Fischerteppiche

2026

  • Traditionelle Kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns

Diese Beispiele zeigen die große Bandbreite des kulturellen Erbes in unserem Land – von Festen und Bräuchen über Musik und Sprache bis hin zu Handwerk und traditionellen Formen des Wirtschaftens.

Immaterielles Kulturerbe sichtbar machen

Viele Traditionen sind Teil des alltäglichen Lebens und werden oft ganz selbstverständlich weitergegeben. Gerade deshalb wird ihre kulturelle Bedeutung nicht immer bewusst wahrgenommen.

Die Beschäftigung mit dem Immateriellen Kulturerbe macht sichtbar, welches Wissen, welche Fähigkeiten und welche Formen des gemeinschaftlichen Handelns in Mecklenburg-Vorpommern lebendig sind.

Dabei geht es nicht nur um bereits anerkannte Kulturformen. Auch zahlreiche andere Traditionen, die von Vereinen, Gemeinschaften, Familien, Handwerksbetrieben, Kulturschaffenden und Einzelpersonen gepflegt werden, gehören zur vielfältigen kulturellen Landschaft des Landes.

Landesliste für das Immaterielle Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern

Im März 2025 hat der Landtag Mecklenburg-Vorpommern den Antrag „Typisch MV – Vielfalt des immateriellen Kulturerbes im Land entdecken, sichtbarer machen, bilden und fördern“ beschlossen.

Ziel ist es, das Immaterielle Kulturerbe in Mecklenburg-Vorpommern stärker sichtbar zu machen, die vielfältigen Kulturformen im Land zu fördern und die Vernetzung der Akteurinnen und Akteure zu verbessern.

Im Zuge der Umsetzung wird ein Konzept für eine Landesliste des Immateriellen Kulturerbes in Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Sie soll dazu beitragen, die Vielfalt der gelebten Traditionen im Land sichtbar zu machen und bestehende Unterstützungs- und Vernetzungsstrukturen weiterzuentwickeln.

Damit wird ein langjähriges Anliegen des Arbeitskreises Immaterielles Kulturerbe und seiner Partner aufgegriffen. Die Landesliste soll künftig eine Ergänzung zum Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes bilden und den Blick auf die kulturelle Vielfalt Mecklenburg-Vorpommerns richten.

Die Landesliste befindet sich im Aufbau.

Unterstützung für Bewerbungen

Wer eine lebendige Tradition als Immaterielles Kulturerbe sichtbar machen und eine Bewerbung vorbereiten möchte, findet Unterstützung beim Arbeitskreis Immaterielles Kulturerbe beim Museumsverband in Mecklenburg-Vorpommern.
Auch der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern ist Mitglied im Arbeitskreis.
Der Arbeitskreis berät potenzielle Antragstellerinnen und Antragsteller und unterstützt sie bei der Vorbereitung ihrer Bewerbungen.

Sie kennen eine Tradition, die bewahrt, weitergegeben und gelebt wird?
Dann helfen Sie mit, das kulturelle Erbe Mecklenburg-Vorpommerns sichtbar zu machen.